Bericht über das Cralle von 1978

Dieser Artikel aus der Zitty über die Anfänge des Café Cralle wurde uns zugeschickt. Ein Blick zurück um 42 Jahre!

Foto vom Café innen. Eine Person hinter der Theke mit Vitrine. Ein Gast sitzt. Artikeltext im Post.

Transkription des Artikels:

Café Cralle

„… wir sind 4 Frauen und haben das Café zusammen geplant, aufgebaut und wollen es in gemeinsamer Verantwortung führen. Für uns haben wir dadurch andere Arbeitsbedingungen geschaffen, und Euch allen möchten wir damit einen gemütlichen Treffpunkt anbieten.“

Dies schrieben Karola, Renate, Sylvia und Sieglinde am 14. Dezember 1977, als sie ihr Café im Wedding eröffneten. In einer Gegen, die sich sonst nur durch Verödung und Zerfall auszeichnet, ergriffen sie als Frauen die Initiative und bauten etwas Neues auf. 20.000 Mark kostete der Aufbau, und die Kredite sind zwar noch immer nicht abgezahlt, doch kommen sie über die Runden. Mit dem kleinen Überschuß planen sie jetzt, das ‚Netzwerk-Selbsthilfe‘ zu unterstützen (ZITTY 23/78).

Allein für den Lebensunterhalt reicht das Café nicht. Jede muß noch arbeiten gehen. Doch es geht ihnen nicht ums Verdienen. Im „Cralle“ ist eine andere Atmosphäre als in ’normalen’Cafés. So sitzen die Frauen herum, ohne das Gefühl zu haben, von Männern, denen das Café auch offensteht, angemacht zu werden. Die vier fühlen sich nicht als Bedienung, sondern quatschen auch mit den Gästen, was in den kleinen und überschaubaren Räumen meist geht.

In dem einen Jahr sind sie auch in eine gemeinsame Wohnung zusammengezogen, eine, Sieglinde, stieg vorher aus – eine neueRenate kam dazu. Sie haben als Frauen, die mal eine Sache selbst ind die Hand nahmen, viele Erfahrungen gemacht, die sie jetzt weitergeben möchten. Ihren schriftlichen Bericht gibt es zum Mitnehmen beim einjährigen Jubiläum am 14. Dezember. Da machen sie dann um 15 Uhr auf, und es gibt massenweise Kaffee und Kuchen – übrigens aus der Alternativbäckerei „Brotgarten“. Etwas Besonderes ist nicht geplant, dies bleibt der Spontaneität der Gäste überlassen. Kinder können wie immer mitgebracht werden, für sie gibt es einen Kinderraum.

Im Café wird bewußt auf Alkoholausschank verzichtet, abends ist auch nur bis 21 Uhr geöffnet. Für den Januar ist erstmals eine Veranstaltung geplant: Frauen und Männer wollen über ihre Erfahrungen mit der Sterilisation berichten. Über das Verhältnis zwischen Frauen und Männern steht auch – neben tausend anderen Bemerkungen – vieles im Gästebuch, das man mal unbedingt im Café lesen und in das man vielleicht auch ruhig etwas schreiben sollte.

Peter Wensierski

Café Cralle, 1-65, Hochstedterstr. 10a

Di-Sa 10.00 -21.00 Uhr; So 11.00-21 Uhr

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